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  Afra überführt den Mörder

 

Erwin Winterthal saß in seinem Schaukelstuhl. Er überlegte, wie er Hans Siebenfurth dazu bringen  konnte die Finger von seiner Tochter zu lassen . So einer war seiner Tochter nicht  würdig. “Natürlich”, fiel es ihm ein, “ich werde ihm eine nicht zu verachtende Summe zahlen”. Erwin Winterthal  war mehrfacher Millionär .Geld spiele für ihn keine Rolle.

“Vater, ich gehe einkaufen”, rief seine Tochter und riss ihn aus seinen Gedanken. Das war die Gelegenheit. Winterthal ging zum Wohnzimmerschrank. Dort bewahrte er sein gesamtes Vermögen auf. Den Banken vertraute er nicht. 5000.-DM nahm er aus dem Schrank und legte sie in seinen Aktenkoffer. Dann machte er sich auf den Weg zu Siebenfurth.

“Sie”? Sagte Siebenfurth nach dem er die Tür geöffnet hatte. “Ich habe ihnen eine Angebot zu machen . Aber das brauchen die Nachbarn nicht mit zu bekommen”.

“Kommen sie herein”, meinte Siebenfurth mürrisch. Auf dem Sofa saß Siebenfurths  West-Highlandhündin Afra. Sie beobachtete die beiden gespannt. “Setzen sie sich”, sagte Siebenfurth in einem Ton der Winterthal seine Verachtung spüren  ließ. “Sie erwarten doch wohl nicht, das ich ihnen etwas anbiete”?  “Nein”, sagte Winterthal : “Also”, fragte Siebenfurth , “was haben sie mir für ein Angebot zu machen”?

“In diesem Koffer sind 25000.-DM . Sie gehören ihnen, wenn sie in Zukunft die Finger von meiner Tochter lassen”.

“Sie glauben wohl mit Geld ist alles möglich, Winterthal”? Winterthal antwortete nicht darauf. “Was ist”, fragte er. “Nehmen sie das Angebot an”?

“Ich werde ihre Tochter  heiraten und wenn sie mir noch so viel Geld anbieten”. Hans Siebenfurth war wütend. “Da kann man nichts machen” sagte Winterthal bedauernd. “ Auf Wiedersehen”. Siebenfurth sagte nichts. Bei dem Gedanken , das Winterthal sein zukünftiger Schwiegervater war , drehte sich ihm der Magen um.

Winterthal stand auf. Er tat als ob er gehen wollte. Siebenfurth drehte sich nicht um. Als Winterthal hinter ihm stand , nahm er den Kronleuchter von dem kleinem Schränkchen. Kurz entschlossen schlug  er ihn Siebenfurth auf den Schädel.  Siebenfurth war sofort tot .

Afra  hatte alles mit angesehen. Sie sprang vom Sofa , biss in Winterthals Hose und riss ein großes Stück aus dem rechten Hosenbein . Afras Attacke erschreckte Winterthal. So schnell er konnte hastete er aus der Wohnung, die Treppen hinunter und zur Haustüre hinaus.

Seine Tochter war noch nicht da. Er würde ihr erzählen , er wäre an der Hecke hängen geblieben. Die musste sowieso geschnitten werden. Seine Tochter würde ihm bestimmt glauben.

Am nächsten Tag standen 2 Polizisten von der Mordkommission vor Winterthals Türe. “Guten Tag, Herr Winterthal”, sagte einer der Beamten. “Ich heiße Hartmut Wolkenberg und das ist mein Kollege Herr Tolk . Wir müssen ihnen mitteilen das ihr zukünftiger Schwiegersohn  Hans Siebenfurth gestern Nachmittag in seiner Wohnung ermordet wurde. Dürfen wir herein kommen? Wir haben einige Fragen an sie”. “Kommen sie herein”, sagte Winterthal. Sie gingen in die Bibliothek , dort saß Seine Tochter in einem Buch vertieft.  Sie begrüßte den morgendlichen Besuch.  Nun richtete der Beamte seine Fragen erst an die Tochter.

“Frau Winterthal , wo waren sie gestern zwischen 15 und 16 Uhr?   “Ich war einkaufen”, sagte sie. “Haben sie Zeugen”  ? fragte Wolkenberg. “Zeugen”? fragte sie. “Ja, hat sie jemand gesehen , meine ich”, sagte Wolkenberg.  “Ja ,die Leute von gegenüber”.  “Und wo waren sie, Herr Winterthal”? fragte Tolk . “Ich habe einen Waldspaziergang gemacht”, antwortete Winterthal. “Hat sie jemand gesehen”? fragte Tolk. “Es ist mit niemand begegnet”. “Es kann ihnen auch niemand begegnet sein”, sagte Wolkenberg, “sie waren nämlich gar nicht im Wald.”

 Wolkenberg hatte ein Foto in der Vitrine entdeckt. Es zeigte Winterthal und seine Tochter. Er  hatte auf dem Bild  die Hose an , deren Farbe zum Stofffetzen, in Siebenfurths Wohnung passte. “Herr Winterthal sie sind verhaftet, wegen des Mordes an Hans Siebenfurth. Die Farbe der Hose , welche sie auf dem Foto dort tragen , ist identisch mit der Farbe  eines Stofffetzens, welchen wir in der Wohnung des Toten gefunden haben”. Winterthal war so voller Panik aus der Wohnung gerannt, das er nicht an den Stofffetzen gedacht hatte. Die beiden Beamten  führten Winterthal ab. Im Flur sagte Tolk , “Nach Dienstschluss fahre ich ins Tierheim und hole unsere Zeugin. Dagmar die Kinder und ich , wir haben in letzter Zeit viel daran gedacht, wie schön es wäre einen Hund zu haben. Was liegt näher als den kleinen Terrier zu nehmen. Schließlich hat die Süße uns die Arbeit erheblich erleichtert.  Wer weis , ob wir Winterthal ohne den Stofffetzen je hätten überführen können.”

Geschichte von Antje Seifert